Im Rahmen unseres Geschichtsunterrichts haben wir das „Museum der Arbeit“ in Hamburg besucht. Der Besuch hat gut gezeigt, warum Lernen nicht nur im Klassenraum stattfinden muss. Themen wie „Industrialisierung“ und die damit einhergehende „Soziale Frage“, die wir im Unterricht eher theoretisch behandeln, wurden im Museum plötzlich greifbar und „echter“.
Schon das Gebäude selbst war Teil des Lernprozesses. Das Museum befindet sich in einer ehemaligen Gummifabrik aus dem Jahr 1871. Industrialisierung wurde dadurch nicht nur als historisches Thema vermittelt, sondern als Teil der Stadtgeschichte erfahrbar. Man bewegt sich in Räumen, in denen früher tatsächlich produziert wurde, was einen anderen Eindruck hinterlässt als Bilder im Schulbuch.
Inhaltlich wurden viele Aspekte aufgegriffen, die wir auch im Unterricht behandelt haben. Anhand von Rohstoffen wie Gummi, Palmöl und Kakao wurde deutlich, dass Industrialisierung nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern eng mit Kolonialismus, Handel und Ausbeutung verbunden war. Dadurch wurde klar, dass technischer Fortschritt auf Kosten anderer Regionen der Welt ging. Diese Zusammenhänge lassen sich im Unterricht erklären, wirken vor Ort aber eindrücklicher, weil man mit Bildern und konkreten Beispielen konfrontiert wird.
Besonders eindrücklich war der Bereich zur Arbeitswelt in den Fabriken. Arbeitsteilung, lange Arbeitszeiten, fehlender Arbeitsschutz und die Austauschbarkeit von Arbeitskräften wurden nicht nur erklärt, sondern an Maschinen und Beispielen verdeutlicht. Der Guide hat uns dabei nicht nurgezielt Fragen gestellt, sondern auch gezielt zum Perspektivwechsel angeregt. Die Vorstellung der Perspektive eines Arbeiters in der Fabrik hat die Themen sehr anschaulich gemacht. Der Arbeitsalltag war stark von Kontrolle und Zeitdruck geprägt, etwa durch Stechuhren. Anhand der Maschinen und der Vorstellung der andauernd routinemäßigen Arbeit sowie fehlender Sicherheitsvorschriften, konnte man gut erkennen, wie schnell schwere Unfälle passierten.
Auch die Lebensbedingungen der Arbeiter:innen wurden thematisiert. Am Beispiel des Gängeviertels wurde erklärt, dass man dort heute noch nachvollziehen könne, wie eng und unhygienisch viele Menschen lebten und welche gesundheitlichen Folgen dies hatte, etwa Krankheiten wie Tuberkulose. Gerade für uns, die in Hamburg leben, wurde dadurch deutlich, dass dieser Teil der Geschichte nicht weit weg ist, sondern direkt zur eigenen Stadt gehört.
Der Museumsbesuch hat insgesamt gezeigt, dass Geschichte verständlicher wird, wenn man sie nicht nur liest, sondern räumlich und visuell erlebt. Durch konkrete Orte, Objekte und Beispiele lassen sich Zusammenhänge besser einordnen und behalten. Sie sind daher eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht, weil sie historische Prozesse anschaulich machen und einen Bezug zur eigenen Stadt und Gegenwart herstellen.
Anna-Katharina Faak, SvA5




